Auf unserem Weg zu den weltbekannten Tempeln Borobodur und Prambanan in Yogyakarta reisten wir durch Indonesiens Hauptstadt Jakarta. Unterwegs haben uns schon viele Backpacker vor der Stadt gewarnt – ob diese Warnung gerechtfertigt war und meine Füße wirklich so dreckig sind, lest Ihr hier ….
Die Anreise mit Air Asia über Kuala Lumpur nach Jakarta verlief für uns nach Plan, für unsere Rucksäcke leider nicht. Wir haben eine Vermisstenanzeige gestellt und asap Lieferung in unser vorgebuchtes Guest House vereinbart.
Bei der Ankunft im Guest House (sehr entspannt ohne Rucksack hinzulaufen) war man über unser Erscheinen überrascht, nach einer 15-minütigen Suche nach der Reservierung, einem engl. sprachigem Mitarbeiter und einem Zimmer stellte sich die Gewissheit ein, dass der Fehler auf unserer Seite lag. Wir haben zwar für das richtige Tages- und Monatsdatum bestellt, nur beim Jahr haben wir für 2016 reserviert.
Mittlerweile war es 22 Uhr, sehr dunkel und fadenscheinige Menschen (immer diese Vorurteile) in den dunklen Gassen unterwegs. Der Guest House Mitarbeiter hat uns ein Hotel in der Nähe empfohlen, dieses erschien (Kristin) unserem Budget nicht angemessen. „Mhm“ sagte der Mitarbeiter und zog einen Flyer für die zweite Wahl von Ausweichhotel unter dem Tisch vor.
Das Hotel war mit über 20 Euro pro Nacht verhältnismäßig teuer. Neben dem dreckigen Wasser aus der Dusche gab es noch laute Musik aus Lautsprechern auf dem Flur und männliche, agressive Katzen, die fleißig alle Teppiche markierten. Die sauer riechende Klimaanlage sehen wir schon als normal an. Scheinbar waren wir die einzigen Gäste, fühlte sich an wie ein Geisterhaus.
Schnell noch mal aus dem neuen Hotel zum vollen Gästehaus zurück um nach unserem Gepäck zu schauen – Glück gehabt, der Mopedkurier hat gerade geliefert. Wie auch immer 2 x 60 Liter Rucksäcke auf ein Moped passen.
Der Höhepunkt war eine Lampe in unserem Zimmer, welche sich nicht ausschalten ließ. Irgendwann in der Nacht hat das Hotel die Beleuchtung in den Fluren gelöscht. Mit dem Ergebnis das jede Mücke im Umkreis direkt in unser Zimmer gekommen ist (Türen haben hier großzügige Spaltmaße). Erst hofften wir uns unter der Decke zu verstecken, aber nach kurzer Zeit hatten wir beide eine richtig zerstochene Hand.
Also Aufstehen, Massentötung durchführen, Moskitonetz (Danke @Franzi und Micha) notdürftig aufbauen, da die Decke für die Befestigung des Hakens für das Netz zu hoch war. Wir mussten die Bettlehne nutzen und hatten so ein sehr flaches Netz, das nur unseren Kopf plus Arme schützte. Für den Rest des Körpers mussten wir die Decke nutzen. In der Nacht wurden wir öfters wach, weil es unerträglich heiß wurde (trotz der Klimaanlage merkten wir keinen Temperaturabfall im Zimmer). Und auch die Lampe wurde aus dem Gewinde geschraubt. Nach der schier unendlichen Nacht endlich Umzug in eine andere Lokation im Morgengrauen und Vorbereitung auf ggf. weitere Probleme durch Neuerwerbung einer elektrischen Fliegenklatsche. Die hat sich bezahlt gemacht, im Ausweichhotel gab es Flugameisen. Mittlerweile hat die Klatsche einen Flughafen-Sicherheitsmann als neuen Besitzer ^^.
Dann haben wir uns etwas mit der Geschichte des Landes beschäftigt. Hier waren die Holländer Kolonialmacht (im nächsten Blogbeitrag berichtet Kristin von der 70 jährigen Unabhängigkeitsfeier).
Interessant war die Geschichte wie Indonesien systematisch das eigene Geld entwertet hat und was für Maßnahmen fehlgeschlagen sind. Die Währung ist so schwach, dass selbst gegenüber dem Euro in den letzten 5 Jahren 35% Wertverfall zu verbuchen ist (im gleichen Zeitraum hat der Euro 15% gegenüber dem US Dollar eingebüßt). Sicher ein Grund warum so viele Europäer hier anzutreffen sind.
Wenn man von Einkaufscentern und neuen Vergnügungsparks absieht, ist ein ca. 500m x 500m alter holländischer Stadtkern der einzige Platz, der uns gefallen hat (von allem was wir gesehen haben).
Aber der Verfall des Erbes schreitet voran.
Hier die einzige erhaltene Zugbrücke, früher fuhren hier kleine Lastschiffe ins alte Zentrum der Stadt. Heute ist der komplette Fluss voll von Abwasser mit Fäkalien. Es stinkt barbarisch und links und rechts der Brücke beginnen die Slums.
Züge und Busse haben oft hohe Ausstiege, die mit Rampen ausgeglichen werden.
Verkehr gibt es den ganzen Tag.
Hier eine Busrampe.
Zonen, in denen keine Mopeds und Autos erwünscht sind, gibt es fast gar nicht. Wenn dann doch ist eine Regelung durch Schilder unwirksam, es werden flache Hindernisse aus Eisen aufgebaut, die ein Befahren verhindern und Menschenmassen anstauen.
Wir sind beliebte Fotomotive. Auf dem Hauptplatz der holländischen Altstadt müssen wir uns am Rand aufhalten, da sonst pro Minute 5 Bilder gemacht werden wollen. Wie muss sich ein Star so fühlen …
Moment des Erfolges, nach 2 Stunden anstehen haben wir ein Zugticket nach Yogyakarta, zwar nicht an dem Tag den wir wollten. Egal – Zugkapazität ist knapp auf Java – auf geht’s 
Die Zugfahrt in der „Eksekutif“ Klasse verlief sehr entspannt. Ganz anders ging es den Menschen draußen auf den Feldern, es war gerade Getreideernte und Sichel und Dreschkeule werden hier nach wie vor eingesetzt. Wir haben nicht einen Mähdrescher gesehen. In Yogyakarta angekommen haben wir unser ganz frisch eröffnetes Hotel bezogen, nach den vielen Strapazen eine willkommene Abwechslung. Kristin hat noch ein paar Millionen von der Bank geholt (1 Mio IDR ca. 60 Euro) damit wir die Touren am nächsten Tag bezahlen können. Da wir verspätet aus Jakarta angereist sind, musste das Programm etwas gestrafft werden.
Wir haben uns für eine Tagestour zu beiden wichtigen Tempeln inklusive Sonnenaufgang mit Sicht auf Borobodur entschieden. Das hieß zwischen 3.30 – 4.00 Uhr Pick Up am Hotel. Als um 04.15 Uhr noch kein Fahrer da war, haben wir die Nummer der Agentur gewählt und nicht wirklich damit gerechnet, dass um die Zeit jemand abhebt. War aber jemand dran, der Fahrer hatte verschlafen und sich sehr entschuldigt. Es ging um 04:30 Uhr los Richtung Berg mit Aussicht auf den Tempel. Dass die richtige Uhrzeit für einen Sonnenaufgang kritisch ist, war unserem Fahrer direkt bewusst. Er fuhr sich immer wieder über Gesicht und Haar um die Müdigkeit zu vertreiben und raste durch die Nacht. Wir haben öfters mitgebremst. Dann noch der 15 min Aufstieg auf den Berg (zum Glück ist der Fahrer fast hochgefahren) und meine Damen und Herren – hier die atemberaubende Belohnung:
Man muss dazu sagen, dass die App im Handy das Bild automatisch beschönigt. Unter den versammelten Leuten herrschte Ernüchterung, einige wollten einfach bleiben und hofften das noch was passiert.
Verständlich, wenn man bedenkt, dass in allen Tourismus-Verkaufsstellen ein solches Bild hängt:

Dass die „Sunrise“ Tour einfach wo anders hingeht, wird nicht erwähnt. Bei guter Sicht könnte man ja theoretisch den Tempel am Horizont erkennen. Naja irgendwann später hat uns unser Fahrer doch an der richtigen Stelle abgesetzt, die Sonne war natürlich längst aufgegangen.
Extra für den interessierten Leser habe ich eine kleine Map der Borobodur Tempelanlage angefertigt. Der typische Treck geht vom Parkplatz durch den gestrichelten Bereich von Ständen, wo freundliche wie hartnäckige Händler kleine Tempel verkaufen wollen. Auf der grünen Strecke gibt es nur Essen und Getränkehändler. Zum Abschluss kommt man wieder auf die rote Strecke, hier sind links und rechts Stände aufgebaut man muss dem Tunnel der Händler folgen, ob man will oder nicht. Trotz aller Bemühungen der Verkäufer haben wir nichts gekauft – wir wollen die Rucksäcke nicht schwerer machen als nötig.
Hier ein Foto ohne Kommentar.
Weiter ging die Tour zum Prambanan Tempel. Eine Hinduanlage, die sich unter anderem der Fruchtbarkeit verschrieben hat. Das war auch gleich das Lieblingsthema unseres Guides 😛
Bei einem Erdbeben 2006 sind leider fast alle Teile des Tempels zerstört wurden. Man arbeitet am Wiederaufbau und wird bei aktueller Geschwindigkeit in ca. 150 Jahren fertig sein.
Ein spezieller Schrein der Weisheit, erst fasst man dem Elefant an den Rüssel und dann mit dieser Hand sich selbst an die Stirn. Fühlt sich gut an 
Zum Abschluss des Tages waren wir noch auf dem Vogelmarkt von Yogyakarta. Hier bekommt man neben allerhand Singvögeln, Raben und Schlangen auch bunte Küken …
…Hunde und Katzen in der prallen Sonne und der Händler sitzt daneben im Schatten :/
Morgen geht es auf die Bunaken Inseln – Schnorcheln im Paradies – bin gespannt – Stefan




























Bunte Kücken? wie machen die das? Ist bestimmt Tierquälerei.
Wir vermuten die werden gefärbt, sind uns aber nicht sicher.
Puh. Ist sicher alles Tierquälerei. Immerhin sind Hunde und Katzen tatsächlich eine beliebte Mahlzeit in Asien.
Aber schöner Bericht, Stefan!
Stefan freut sich immer wenn er ein Lob bekommt 😛
Die haben das mit Ostern bestimmt völlig falsch verstanden 😉
Elefantengott Ganesh ist ja ganz schön abgegriffen. Trotz der Widrigkeiten seht ihr ja noch ganz gut aus. Falls ihr das Hotel in Australien auch für 2016 bestellt habt, würden wir es dann nehmen.
Liebe Grüße Vati und Mutti und Oma.
Moinsen ihr beiden braungebrannten Weltenbummler!
Wahnsinn, was ihr alles erlebt – vielen Dank, dass ihr euch die Mühe macht und euch die Zeit nehmt, uns daran teilhaben zu lassen! Es ist wirklich eine willkommene, erfrischende Abwechslung im Alltag, eurem Blog zu folgen 😉
Es freut uns, dass das Mosquitonetz für etwas Linderung sorgen konnte, aber das klang ja wirklich nach einer grauenvoll Nacht!
Drei Monate seid ihr nun schon unterwegs. Zur selben Zeit (nach 3 Monaten) mussten wir leider schon Abschied von unserer Reise nehmen und die Heimreise antreten. Aber davon seid ihr noch lange entfernt – genießt es weiterhin, trotz der vielleicht manchmal etwas widrigen Umstände und Strapazen. Hier in Hamburg verpasst ihr zumindest nicht so viel 😉
LG
Franzi und Micha
Herzlichen Dank für den interessanter Artikel! Toller Tipp.